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DE0007236101 723610 -   € -   €
 
 
 

Siemens-Aktie: Anpassungen unumgänglich


31.07.2012
SRH AlsterResearch

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Oliver Drebing, Analyst von SRH AlsterResearch, stuft die Aktie von Siemens (ISIN DE0007236101 / WKN 723610) unverändert mit dem Rating "kaufen" ein.

Die Entwicklung der Unternehmensdaten zum 3. Geschäftsjahresquartal weiche teils dramatisch von bisherigen Planungs-Prämissen ab und nötige Siemens zu einer nochmals schärferen Korrektur des Budgetierungsverhaltens. Zusätzlichen Veränderungsdruck erzeugt das konkrete Risiko einer temporären Dynamikverlangsamung des chinesischen Marktes; verfestigte sich der derzeitige Trend, entfiele für mehrere Quartale die Möglichkeit, Schwächen andernorts durch Erfolge in China zu kompensieren, so die Analysten von SRH AlsterResearch.

Nach dem Vorbild der im Sektor Healthcare bereits umgesetzten "Agenda 2013" werde der Vorstand im Herbst einen Katalog vorlegen, wie die strukturell nicht überzeugenden Einheiten unter Einbuße von Freiheitsgraden auf Linie gebracht würden. Die Aufwandshöhe des Q3 sei ein Alarmzeichen - so sie nicht auf Währungseffekten beruhe; um 407 Mio. EUR lägen die "Investitionen" in Produktentwicklung und in Vertriebsmannschaften über Vorjahresniveau, kumuliert über neun Monate 961 Mio. EUR.

Der Anstieg des Aufwands sei jedoch auf das engste an die mittelfristige Konjunkturprognose gekoppelt: Mit der Möglichkeit einer Umsatzstagnation 2013 werde die bisherige Toleranz höchstgefährlich. Nicht der "Rasenmäher" drohe, angekündigt sei vielmehr eine nach regionalen Aspekten differenzierende Neugewichtung des Einsatzes. Siemens wende sich weiter von Europa ab.


Am augenfälligsten innerhalb des vorgelegten Datenkranzes sei der Einbruch der Umsatzprofitabilität im Sektor Industry. Mit dem berichteten Ergebnisbeitrag von 552 Mio. EUR sei selbst die pessimistischste Analystenerwartung gravierend unterboten worden; auch die Analysten hätten die über die letzten Wochen von CFO Kaeser kommunizierten Warnhinweise in ihrer Konkretheit verkannt (AlsterResearch-Prognose: 651 Mio. EUR; Markt-Konsens laut Inquiry: 619 Mio. EUR).

Wie von Siemens jetzt erläutert, würden seit April kaum noch Bestellungen für die Ausrüstung von Werkzeugmaschinen aus dem mittelständischen Innovations- und Produktionsgürtel Europas (Skandinavien, Benelux, Deutschland, Nord-Italien) eintreffen. Gerade diese extrem frühzyklischen Aufträge für antriebsbasierte, direkt in das Antriebssystem integrierte Bewegungsführung (Motion control) würden die höchsten Margen beider Divisionen leisten (Industry Automation und Drive Technologies).

Das Wegbrechen der Kundennachfrage aus der Fertigungsindustrie habe ergebnisseitig nicht durch die sehr gute Umsatztätigkeit mit der Prozessindustrie (Chemie, Stahl, Zement; spät-zyklisches Geschäft) kompensiert werden können, geschweige denn durch Aufträge für Windrad-Getriebe, die aktuell preislich schlecht gestellt seien.

Zur Erreichung des bei 5,2 Mrd. EUR ansetzenden Zielkorridors für den diesjährigen Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten führe nur noch ein schmaler Pfad, jetzt zusätzlich eingeengt durch den plötzlichen Schwächeanfall des Industriegeschäfts und einen für das laufende Quartal angekündigten Restrukturierungsaufwand von 100 Mio. EUR bei Power Transmission, wo kapazitätsbedingte Problematiken (Hochspannungsschaltanlagen, Transformatoren) neben dem Offshore-Anbindungs-Fiasko die Ergebnisqualität weiterhin drücken würden.

Ihre Argumentationslinie zur Siemens-Aktie müssten die Analysten anpassen, da sie den Abschwung des zyklischen Industriegeschäfts nicht auf dem Radar hätten und weil die Trennung von Osram als herausragend attraktivitätssteigerndes Ereignis wegfalle. Selbst mit ihrer Prognose eines Gewinns aus fortgeführtem Geschäft von 4,9 Mrd. EUR jedoch indiziere ihre Bewertung auf 2012-Basis (SOTP; Ansatz NSN mit 0 EUR) ein Kursziel von 85 EUR (bisher: 100 EUR) je Aktie.

Die Analysten von SRH AlsterResearch bestätigen ihr Anlageurteil "kaufen" für die Siemens-Aktie. (Analyse vom 31.07.2012) (31.07.2012/ac/a/d)




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